

Hautnah an den Wurzeln
Eichsfelder Folk-Band Grienhild war musikalisch äußerst erfolgreich in
Irland unterwegs
Es sei an der Zeit gewesen, das Land kennenzulernen, aus dem die Musik
kommt, mit der die Eichsfelder Band Grienhild seit Jahren immer wieder ihre
Fans begeistert, sagen die Musiker. Kurzentschlossen packte man die
Instrumente zusammen und bestieg ein Flugzeug mit dem Ziel Irland.
TA-Mitarbeiterin Silvana TISMER begleitete die Band auf ihrer fünftägigen
Tour über die Grüne Insel.


IRLAND.
Es ist spät in der Nacht, als die Boeing am Donnerstag in Shannon einige
Kilometer überhalb von Limerick auf der Landebahn aufsetzt. Der riesige
Fluss schimmert links von uns im Mondschein, als alle Instrumente im
gemieteten Ford Transit verstaut sind und es zur Unterkunft in dem Örtchen
Sixmilebridge nur wenige Meilen außerhalb geht. Todmüde verteilen wir uns
auf die Zimmer.
Unser erstes Ziel ist Galway. Das Universitätsstädtchen an der Westküste
gilt als die Partymetropole schlechthin. In der Fußgängerzone, in der sich
Pub an Pub reiht, suchen sich Uwe, Carolin, Andrea, Mario und Sven ein
freies Plätzchen, bauen ihre Instrumente samt Mikro und Verstärker auf und
fangen einfach an zu spielen. Nach nur wenigen Tönen bleiben die Menschen
stehen, wippen mit den Füßen, tanzen und singen mit. Immer wieder fliegen
Münzen in Andreas aufgeklappten Geigenkoffer, in dem ein schnell
hingekritzelter Zettel darauf verweist, dass man aus Deutschland kommt.
Sogar einige Soldaten der irischen Armee haben es sich in einer
Schaufensterbank bequem gemacht und hören zu, als irische Songs wie "Dirty
old town", "Star of the county Down" und "Whiskey in the Jar" ertönen. Nach
einer Stunde beträgt der Münzhaufen schon stolze 30 Euro. Ein Polizist
schlendert vorbei, lächelt und geht weiter. Man braucht keine offizielle
Genehmigung, um auf der Straße zu spielen, erfahren wir später im Pub von
Einheimischen. Denn das tue hier fast jeder. Es gehört in Irland dazu.
Trotz strahlender Sonne wird es gegen Abend frisch. Grienhild packen
zusammen, bringen die Instrumente in den Bus und stürzen sich in das
Nachtleben von Galway. In fast jedem der überfüllten Pubs spielt eine Band,
meist ohne Eintritt. "Das ist einfach irre zu sehen, wie hier musiziert und
gefeiert wird", ist Uwe begeistert, der wie die anderen den Musikern auf die
Finger sieht.
Der Samstag findet uns in Doolin. Der kleine Ort zu Füßen der weltberühmten
Steilklippen Cliffs of Moher ist das Mekka der irischen Musiker. Christy
Moore, The Pogues, die Dubliners und die Chieftains haben hier schon mitten
zwischen den Gästen in einem der Pubs gesessen und gespielt. So sprechen die
Iren auch nur vom "Musicvillage", dem Musikdorf, wenn sie Doolin meinen. Oft
entstehen spontan richtige Sessions. Und genau das dürfen wir miterleben.
Bei Temperaturen um die 18 Grad machen wir es uns gegenüber des Pubs "Gus
O'Connor" bequem. Dort stehen mehrere Tische und Bänke. Eilig tragen
Kellnerinnen uns ein kaltes Guinness heraus, während Grienhild ihr Equipment
auspacken. Dann geht es los. Während nur wenige hundert Meter entfernt die
Brandung gegen die Felsen donnert, stimmen Uwe und Carolin Raggle Taggle
Gypsies an. Immer mehr Menschen kommen mit ihren Gläsern aus dem Pub, sitzen
auf den Steinmauern und hören zu. Sogar Autos halten an. Nach wenigen
Minuten stellt jemand einen Gitarrenkoffer neben uns ab, setzt sich und hört
eine Weile zu. "Won't you play with us?" frage ich ihn. Er nickt und schiebt
uns auf unserer Bank zusammen. Mick King stammt aus Athlone, etwa 130
Kilometer nordöstlich von Doolin, und kam extra her, um später bei einer
Session mitzuspielen. Es dauert nur wenige Sekunden, bis er sich auf Tonlage
und Rhythmus eingestellt hat. "Song for Ireland" steuert er bei, nahtlos
stimmt ein weiterer Freund von ihm, Ray Brown, mit "Johnny don't go" einen
Christy Moore-Song an. Plötzlich sitzt ein Junge auf dem Nebentisch mit
Banjo und Gitarre. Thad Hale heißt er, ist 15 Jahre alt und stammt aus San
Francisco. Eine halbe Stunde bleibt ihm, um mit den "Germans" zu jammen.
Seine Mutter wartet auf ihn. Noch an diesem Abend müssen sie quer durchs
Land nach Dublin, um am nächsten Tag nach Kalifornien zu fliegen. "Ich
wollte ihm Irland in all seinen Facetten näherbringen", erzählt sie mir.
"Das hier ist der krönende Abschluss." Als es dunkel und kalt wird, fragen
wir im Pub, ob wir drinnen weiterspielen dürfen. "Natürlich, in zehn Minuten
startet eine Session. Join in", sagt der Wirt. Doch Mick hat eine andere
Idee. Im McGanns wäre es noch besser. Also packen wir ihn mit in den Bus und
fahren hin. Dort wartet schon Ray auf uns. Eine Stunde lang spielen
Grienhild gemeinsam mit einheimischen Musikern, bedacht von rasendem
Applaus.
"Absolutly brilliant, very good" ernten Grienhild auch am Sonntagabend von
den erst skeptischen Iren Lob, als sie am atemberaubenden Ring of Kerry in
Cahirsiveen im Pub "Mike Murt's" ein Extra-Konzert geben. Chef Mike O'Connor
hat uns kurzerhand hereingebeten: "Musicians? Welcome!" Man merke, dass die
deutsche Band die irische Musik liebe und sie regelrecht lebe, zollt später
ein sichtlich angetaner Mike O'Connor Grienhild Respekt. "That's the hymn of
our area", erklärt Carolin, als wir das Eichsfeldlied anstimmen. Als Dank
präsentieren uns einige Iren am Tresen eine zu Herzen gehende Ballade, die
die Schönheit Cahirsiveens preist. Den Montag verbringen wir mit einer Fahrt
über den Ring of Kerry, ehe wir uns am letzten Abend in Killarney unters
Volk mischen. Aus mehreren Pubs schallt Live-Musik. Selbst gespielt wird
nicht mehr. "Uns tun schon die Finger weh", lachen Grienhild.
"Welcome to God's Country", spricht Carolin am Ende der Reise allen aus der
Seele. "Die Natur geradezu zu spüren, war ein unglaubliches Erlebnis. Aber
genau das von den Iren gegenüber unserer Musik zu bekommen, war noch viel
besser. Man setzt sich einfach auf eine Bank, spielt ihre Musik und sie
laufen nach Hause, holen ihre Instrumente und machen mit." Ohne
Begeisterung, welche die Seele mit einer gesunden Wärme erfülle, werde nie
etwas Großes zustande gebracht, zitiert Carolin Knigge. "Diese Begeisterung
der Iren beweist es: It must be God's country - Es muss das gelobte Land
sein."
Thüringer
Allgemeine vom 21. April 2007
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Bilder von der Reise:
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